Montag, 26. Dezember 2016




hagar II


teil des gesprächs, das nicht wegzudenken
noch ich

trotz der kleinen abwehrenden stromstöße meiner
geheimen autistischen neigungen

es weht ein alter wind
doch ich bin älter als er

und langsam werde ich umformuliert




Dienstag, 20. Dezember 2016




alarm


in den vermeintlichen
randbezirken der aufmerksamkeit
hämmert es eisen auf eisen

bleich
bis zur unkenntlichkeit
der geist

nur allzu klar das unerhörte
dunkel
draußen

einmal wird einen schritt
zu weit
gegangen worden sein



Dienstag, 13. Dezember 2016




für einen, den ich verloren gehen ließ


vielleicht ist es noch nacht bei dir
vielleicht ein morgenschimmer
ich fühle, wie du ruhst in mir
vielleicht ist es für immer





Freitag, 9. Dezember 2016




altmodisch


das radio
scheppert ein wenig
es sind
material
laut
stärke
und noch etwas
das nicht paßt
ich dachte
es käme nicht wieder
aber es ist
immer
schon da




Montag, 5. Dezember 2016




noch so ein wort



es fragt sich
was du sein sollst
da ein ob
sich längst erübrigt

du bist keine knospe
die sich schon vor dem winter
genauestens verplant hat

der chinesische meister
malte eine landschaft
ging in sie hinein
und verschwand




Samstag, 26. November 2016




klein bei II


fischauge
ist so ein wort;

du bist dich losgeworden,
wirst aber beobachtet;

auf der farbskala zwischen grau
und schlechtem nachgeschmack;

du gehst dahin;

nieselregen
ist auch so ein wort.




Donnerstag, 24. November 2016




klein bei


sie nehmen die leeren
flaschen für voll
das ist die dumme
angewohnheit der klugen
wir gehen, sagen sie
und sind längst gegangen
zu weit
von wo man besser sieht, aber
wo sie weder hier sind
noch da




Donnerstag, 17. November 2016




die fernen tode


zeichen lösten sich
aus deinen händen für mich
stiegen auf
wurden nicht mehr gesehn

ich lausche – du gehst
in deine richtung

oben gleitet ein vogel
als mein schatten
du bist mein leiser
fast willkommener schrecken




Dienstag, 15. November 2016




believe it or not


I was a muse once
like all the other Mariannes
who did not understand
(nor did I understand)
that they are just some
among the multitudes
and that they are muses
nothing else, only that




Sonntag, 13. November 2016




november 2016


es stimmt nicht
daß die welt sich erwärmt
innerlich kocht sie
und mir wird nur kälter
auf ihr

schluß ist
mit den eindeutigkeiten
wer weiß schon
ob sich´s lebt oder stirbt
oder wie sie´s gern hätten

du sollst verbrennen
doch es soll dich nicht geben
nimm deine hände an dich
der mond heute nacht ist voll
und riesig




Sonntag, 6. November 2016




unmerklich


der tag kriecht herauf
du horchst –
laute aber
sie wollen nichts

besagen

es ist noch gar nicht winter
leergefegt die wege be-

fahrbar




Montag, 31. Oktober 2016




in strömen


ein tag
der nichts fordert
als bleiben
ausgesetzt
alles messen und teilen
zeit und augen
weit entschärft
sehen unsehend
was vor dem fenster
dahinter
befreit




Sonntag, 23. Oktober 2016




dann wieder ...


dann wieder
der schwindel
wenn ein augenblick es schafft
auszubrechen
aus dem regelwerk
sein eigenes erstaunen findet
und in freiheit verglimmt
im all
so also will liebe zerfallen
um liebe zu sein
die erklärung dafür
habe ich vergessen
ich weiß nur du bist
in einer neuen musik




Dienstag, 18. Oktober 2016




umlauf



steine geschleudert
in den tiefen raum
sind schwerelos
nur wir sind schwer

welchen weg gibt es
hinaus oder hinein

für mich in meinem leben
für dich in deinem leben

alle wesen in ihrem kampf
suchen nach ihrer unsichtbarkeit
drücken sich eine mulde zurecht
in der sie schlafen schlafen

und doch nimmt
es
uns mit




Montag, 3. Oktober 2016




night vision


es ist nicht so
daß mir meine gedanken gefallen
ich mache sie mir ungern
und gleichsam stoßweise

die wachsenden schatten
sind nicht auszustreichen
mit schattenhänden

hinter den worten
sehe ich dein bild
und hinter dem bild
unendliches land
das du auch bist
in allen richtungen
im dunkel
wie der diensthabende
stern es will

das herz wagt nur
als schatten zu schlagen




Montag, 26. September 2016




hale bopp


wir lagen auf dem rücken im wüstensand
der nachts kalt ist

er war schon im entschwinden
und zitterte durch mein fernglas

ich weiß noch, wie ich dachte, da draußen –
was für eine einsamkeit

man sagt, er kommt wieder
in vielen jahren

ob dann noch jemand weiß, was wir sahen
und jemand sieht?





Samstag, 17. September 2016




ariel III


der mond ist herauf
gleitest herbei
durch die herber gewordenen
lüfte

hand in hand
und wie geborgen
merken wir auf
töne

ist eigensinniges dabei?
doch dich
behalte ich für mich
allein




Freitag, 9. September 2016




wie es war


es wurde heller
die späte stunde
herausgehoben -
die frage schwand
ich weiß nicht mehr

wer nahm meine hand
dies ist keine frage
nur ein halten -
wie wenig ich doch weiß
von dir

nun löst sich alles
auf was ich weiß
ist
so war es bei mir
nicht mehr




Freitag, 2. September 2016




wozu


ich frage nicht danach
ob der zufall weiter
verwendung für mich hat
kann sein ich hätte noch so viel
zu verlieren

schaue aus nach augenblicken
streunenden gelegenheiten
entlegenen wegen
auf denen einst du kamst gesungen
um ein stück mit dir zu gehen

nichts soll es zu geben geben
blüte wird frucht
und fällt –
ich frage nicht danach
wozu winde wehen




Freitag, 26. August 2016




mit olof palme


im traum gestern nacht
der weiterhin schwebt
ging ich hin und wieder
führte ein boot
über land und wasser
im dienst an dir

du warst so klar
und lebendig

da kamen im traum
zweifel am traum
in dem ich war
und ich schämte mich
aber fragte dich schließlich:
in welchem jahr
leben wir eigentlich?

du sagtest, es sei
1982

und ich: also kam ich
aus der zukunft zu dir